Wem kann man noch trauen?

Wem kann man noch trauen?

Medien und Marken im Zeitalter des Misstrauens.

Wem kann man noch trauen? Foto (c) unsplash, Ben Rosett

Die Medien, hört und liest man allethalben, befänden sich in einer Krise – die meisten Print-Leitmedien sowieso (sinkende Auflagen, weniger Leser, weniger Werbegelder, weniger Investment, schlechtere Qualität, sinkende Auflagen). Aber auch den übrigen Medien könne man „nicht über den Weg trauen“. Journalisten und „das große Geld“ (Politik und Wirtschaft) hätten es sich schon längst in einem gemeinsamen Boot bequem gemacht – frei nach dem Motto: Positive Berichterstattung gegen finanzielle Zuwendungen. Die Medien- und Politikkonsumenten kommen in diesem Bild nur als „fleißige Ruderer unter Deck“ vor. Ihre Aufgabe: Die noble Galeere mit der noblen Gesellschaft zur nächsten Party zu bringen. Anders ausgedrückt: zu kaufen, zu glau­ben, zu kaufen, …. Kein Wunder, dass Journalisten und Politiker im Vertrauensindex der letzten Jahre jeweils den vorletzten bzw. letzten Platz einnehmen.

Das neue Leitmotiv – misstraue allem!

Die Bürger haben sich längst von staatlichen und einstigen gesellschaftlichen Auto­ri­täten emanzipiert. Mehr noch: Mit der Emanzipation ist ein bürgerliches Selbstvertrauen gewachsen, das nicht bereit ist Entscheidungen „von oben“ einfach so zu akzeptieren. Man schließt sich zusammen, wehrt sich gegen Entscheidungen oder kämpft für Forderungen ohne auf politische Parteien oder Politiker zu warten. Und wenn es nichts zu „kämpfen“ gibt, pflegt man vorsichtshalber ein gepflegtes Misstrauen; der Politik gegenüber sowieso aber auch großen Marken und Interessensverbänden gegenüber.

VW etwa hat durch den Abgas-Skandal das Vertrauen bei den Autofahrern missbraucht und die Marke weltweit in große Turbulenzen gestürzt. Ganz ähnlich der deutsche Autofahrerclub ADAC, der vor einiger Zeit eingestehen musste, die Wahl zur beliebtesten Automarke in Deutschland manipuliert zu haben. Wenn also auch ehemals starke und vertrauenswürdige Marken und Verbände tricksen, dann ist es doch auch allen anderen zuzutrauen. So die weit verbreitete Annahme vieler Menschen.

Foto (c) unsplash, Evan Kirby
Abgas-Skandal hat das Vertrauen bei den Autofahrern geschwächt.

Der zornige Konsument

Befeuert wird dieses Misstrauen jedoch nicht nur durch tatsächliche Skandale und Skandälchen. Die Vielfalt an neuen Medien in der digitalen Welt, welche Nachrichten in Sekundenbruchteilen bis in den „letzten Winkel“ unserer Welt tragen, lässt ein Gefühl aufkommen als bestehe die Welt nur noch aus Skandalen und Problemen. Der (Medien)-­Konsument gerät dabei in die Rolle des Zuschauers, der in seinem Unvermögen daran etwas zu ändern ratlos und zornig zurückbleibt.

Vom Konsumenten zum Produzenten

Seine einzige „Waffe“ ist das Misstrauen allem gegenüber, das sich 5 mm außerhalb seines Einflussbereiches abspielt. Und es zeigt sich: die Bereitschaft vieler Menschen, ihre Meinung öffentlich zu äußern, korreliert mit ihrer Einstellung, damit nicht alleine zu stehen. Die neuen sozialen Medien liefern das perfekte Transportmittel dazu. Betroffen davon sind vor allem die bisherigen Nachrichtenproduzenten. Denn ihre Funktion als Vermittler von Neuigkeiten, Nachrichten, Unterhaltung und Produkten zu fun­gie­ren, steht zur Disposition. Blogger, Foren und die Kommentar- und Empfehlungsfunktionen in den neuen sozialen Medien machen den einstmaligen Nachrichten-Konsumenten nun zum (glaubhaften) Produzenten.

Konsequent – klar – scharf

Wie also kommunizieren wenn das Misstrauen zum Mainstream gehört? Sich im „Relevant-Set“ der Konsumenten dauerhaft behaupten zu können setzt voraus, den kon­kreten Dialog mit den Konsumenten aktiv zu organisieren. Mehr noch: ihn mit unterschiedlichen Methoden, auf unterschiedlichen Kanälen beständig zu fördern. Dazu gehören die konsequente Erfüllung des Qualitätsversprechens, die klare Kommunikation des Zwecks (Warum machen wir das was wir machen?) und ein scharfes Profil (Wie und warum unterscheiden wir uns von anderen?).

Weg von der Eindimensionalität

Das hört sich einfach an, aber in Wahrheit ist es das nicht. Denn eine solche Haltung ändert unter Umständen auch ein bislang bequemes Geschäftsmodell, das da heißt: Wir wissen mehr als ihr. Also raus aus dem Tunnel der Eindimensionalität, der nur das Denken und die Kommunikation in eine Richtung kennt. Marken die vom Kon­su­menten als Teil seiner konsistenten Lebenswelt wahrgenommen werden steigen nicht nur in der Relevanz, sondern ernten auch das notwendige Vertrauen und werden so Teil einer gemeinsamen Haltung.

 

KR Hanno Schuster, März 2016

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